Ein Staatshengst rockt die Frankenhalle – Arrivederci fegt mit einziger Nullrunde zum S***-Sieg

Wenn das kein furioser Abschluss einer rundum gelungenen Veranstaltung war: Vor brechend vollen Tribünen ist am Dienstag Nachmittag mit dem Bayernchampionat, präsentiert von der Nürnberger Versicherungsgruppe, die letzte Springprüfung der Faszination Pferd über die Bühne gegangen. Insgesamt zählte die veranstaltende AFAG Messen und Ausstellungen GmbH vom 27. Oktober bis 1. November über 125.000 Besucher der Consumenta.

Und die S***-Prüfung setzte dem Ganzen noch die Krone auf.
19 Aktive hatten sich mit ihren Pferden in den anspruchsvollen Parcours gewagt, nur vier blieben fehlerfrei und qualifizierten sich damit für’s Stechen. Und da ging’s nochmal richtig zur Sache: Hans-Peter Konle mit Cobelix musste drei Abwürfe kassieren. Nach Nullrunden von Rüdiger Renner (RC Fünfseeland) mit Celano und Richard Gardner mit Calisto war die Spannung beinahe greifbar. Als Letzter betraten Lawrence Greene und sein bayerischer Staatshengst Arrivederci die Arena. Mutig und konzentriert lenkte der junge Mann seinen 15-jährigen Asti Spumante-Sohn im Besitz des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger durch den Parcours und setzte sich unter tosendem Applaus an die Spitze. Der neue Bayernchampion war gefunden.
Einen Lauf hatte heuer auch Katja Dellert von der RSG Frankenhof-Sonnefeld. Die junge Frau setzte sich nicht nur am Montag in einem S**-Springen mit Stechen auf ihrer Oldenburgerstute Que tal auf den ersten Platz, sondern entschied auch noch ein weiteres S** am Dienstag für sich.

Spannend wurde es im Barrierenspringen, bei dem im dritten Stechen satte 1,85 Meter überwunden werden mussten. Und das schaffte am Ende nur noch ein Reiter, der bekannt für seine Husarenritte in dieser Art Prüfung ist. Patrick Afflerbach vom Reitverein Königsbrunn-Fohlenhof hatte seinen bewährten 15-jährigen Holsteiner Wallach Quando gesattelt und lenkte ihn zielsicher und präzise über die Stangenreihen. Der Sieg war ihm sicher. Ebenso übrigens wie in einem Punktespringen der Klasse S**, in dem er ebenfalls die goldene Schleife kassierte.

Und noch einen Doppelsieger gab es im Springparcours: Mario Walter von der baden-württembergischen RSG Ostalb setzte sich im M-Springen mit Charlotta auf Platz eins und holte in der S*-Prüfung mit dem Holsteiner Lancerto ebenfalls die goldene Schleife.

Ein treuer Stammgast bei der Faszination Pferd enttäuschte auch in diesem Jahr seine Fans nicht: Der frisch gebackene Olympiasieger in der Vielseitigkeit, Michael Jung aus Horb, reiste wieder mit zwei Pferden an und konnte sich einige Schleifen in den Springprüfungen sichern.

Auch sonst konnte die Faszination Pferd mit vielen Attraktionen aufwarten und so jagte sechs Tage lang ein Höhepunkt den nächsten. „Wir haben wieder ein buntes Programm mit absolutem Top-Reitsport, buntem Schauprogramm und vielfältigen Darbietungen rund ums Pferd gesehen“, freute sich Turnierleiterin Jacqueline Schmieder, die der veranstaltenden AFAG Messen und Ausstellungen einmal mehr dankbar war für die Plattform, die der Pferdesport hier stets erhält. „Die Pferde sind immer wieder eine besondere Attraktion für die unsere Besucher“, war sich auch Hermann Könicke sicher, der gemeinsam mit Thilo Könicke für die Veranstaltungsleitung verantwortlich zeichnet.
„Die Vielfalt der Prüfungen aus allen Disziplinen hat uns auch heuer die Möglichkeit gegeben, den Besuchern die verschiedenen Facetten des Reitsports zu präsentieren und das ist uns bestens gelungen“, zog Jacqueline Schmieder am Ende positive Bilanz. „Obwohl die Faszination Pferd diesmal schon am Donnerstag begonnen hat, haben wir jeden Tag ein tolles Programm geboten.“

Besondere Schmankerl für Dressurfans waren dabei am Freitag und Samstag zu sehen, als die Qualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal, der bundesweit wichtigsten Serie für hoffnungsvolle Nachwuchspferde, die geballte Prominenz dieser Dressurserie nach Nürnberg lockte. Stets live dabei übrigens Hans-Peter Schmidt, Präsident des Bayerischen Reit- und Fahrverbands, der es sich nicht nehmen ließ, sechs Tage lang das Geschehen in der Halle zu verfolgen.

Auf so einen Ritt hatten sich nicht nur die Dressur begeisterten Zuschauer gefreut: Helen Langehanenberg gab diesmal ihr Debüt in der Frankenmetropole und das konnte sich sehen lassen. Mit deutlichem Vorsprung sicherte sich die Mannschaftsweltmeisterin aus dem westfälischen Münster mit dem 14-jährigen Hannoveraner Hengst Damsey den Sieg im Grand Prix. „Trotz der ungewohnten Atmosphäre in der Halle hat sich Damsey nicht aus der Ruhe bringen lassen und ist eine tolle Prüfung gegangen“, freute sich die junge Frau bei der Siegerehrung. Auch die Zweitplatzierte ist international hochdekoriert: So steuerte die Frankfurterin Dorothee Schneider, amtierende Goldmedaillenträgerin mit dem Team, Sammy Davis jr. auf den zweiten Platz. „Seit meinem Start in Rio sprechen mich oft Leute an, das kannte ich früher gar nicht“, äußerte sich die Berufsreiterin zu ihrer neuen Prominenz in Dressurkreisen. Die Dritte des Grand Prix, Beatrice Buchwald, ist Bereiterin im Stall von Isabell Werth, und hatte Daily Pleasure mit in die Frankenmetropole gebracht. Mit einer souveränen Vorstellung sicherten sich die beiden den dritten Rang.

Mit Spannung hatten die Fans auch den Ritt von Ingrid Klimke in der Einlaufprüfung zum Nürnberger Burg-Pokal bei der Faszination Pferd erwartet. Und die erfahrene Olympiareiterin enttäuschte ihre Fans nicht. Mit der Stute Geraldine beherrschte sie das Geschehen, nutzte dabei das Turnier quasi als Generalprobe für das Jubiläumsfinale in Frankfurt. Auch einen Tag später startete sie bei der Qualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal so richtig durch. Mit Geraldine und Franziskus, ihren beiden größten Nachwuchshoffnungen, setzte sich die prominente Reiterin aus Münster auf den ersten und zweiten Platz.

„Da sieht man wieder, dass die Pferde nach einer Koppelpause voll motiviert an den Start gehen“; so die fein reitende Amazone, die seit vielen Jahren als Publikumsliebling in der Frankenhalle gilt. „Die Atmosphäre hier ist einmalig, so ein Publikum wünschen wir Reiter uns“, freute sich Ingrid Klimke.

Keine Unbekannte ist auch Jil-Marielle Becks, Reiterin des Weltmeisterpferdes Damon Hill und amtierende Deutsche Meisterin der Jungen Reiter, die es mit dessen Sohn Damons Satellite auf den dritten Platz schaffte und sich damit die Qualifikation für das Finale in der Frankfurter Festhalle sicherte. Bester bayerischer Reiter in dieser Prüfung war Max Wadenspanner vom RV Erding mit Sanwero.

Tanzende Pferde, volle Ränge und begeisterte Zuschauer: Beim Grand Prix Special kam das Nürnberger Publikum dann voll auf seine Kosten. In feinster Harmonie ließ die Warendorfer Berufsreiterin Carola Koppelmann den westfälischen Fuchswallach Deveraux B durchs Viereck tanzen, zeigte vollendete Piaffen und Passagen sowie mutige Trab- und Galoppverstärkungen. Der Sieg mit knapp 20 Punkten Vorsprung war dem Paar sicher. Auf dem zweiten Platz rangierte Benjamin Werndl aus dem oberbayerischen Aubenhausen, der seinen Der Hit mit feiner Hand und vielen Höhepunkten durch die Frankenhalle lenkte, gefolgt von Stefanie Schatz-Weihermüller, die erst vor wenigen Monaten geheiratet hatte und ihren bereits 18-jährigen Fantomas souverän den Richtern präsentierte.
Mit einer tollen Besetzung konnten die Veranstalter dann in der Grand Prix Kür aufwarten, die traditionell im Rahmen des Top-Galaabends am Samstag stattfindet. Helen Langehanenberg steuerte hier unter dem tosenden Applaus der Zuschauer den schicken Hengst Damsey FRH auf den ersten Platz, gefolgt von Dorothee Schneider mit Sammy Davis Jr. und Beatrice Buchwald, die Daily Pleasure vorstellte. „Drei solche Top-Reiterinnen in der Kür hatten wir noch nie, wir sind stolz, dem Nürnberger Publikum so großen Sport präsentieren zu können“; freute sich Turnierleiterin Jacqueline Schmieder.
Auch der Top-Galaabend am Freitag wartete übrigens mit etwas ganz Besonderem auf: So gab es erstmals bei der Consumenta einen Voltigier-Wettbewerb, den die einzigen bayerischen Vertreter, die Ingelsberger Welt- und Europameister mit einer fantastischen Kür für sich entscheiden konnten.
Nachwuchsförderung wird beim Hauptsponsor Nürnberger Burg-Pokal groß geschrieben. Für die jungen Reitertalente im Freistaat gibt es in den Disziplinen Dressur und Springen den Nürnberger Burg-Pokal der Bayerischen Junioren, dessen Finale traditionell bei der Faszination Pferd ausgetragen wird. Im Lager der Dressurspezialisten setzte sich Selina Söder (Himmelgarten) mit Schapur an die Spitze. Im Springparcours holte sich Helena Graf (Neustadt/Aisch) mit La Voltra den Sieg.
Schon am ersten Tag war bei der Faszination Pferd so richtig die Post abgegangen. So sorgten die Vielseitigkeitsreiter für einen gelungenen Auftakt. Gleich 25 Aktive waren mit ihren Pferden in die Frankenhalle gereist und stellten sich da der Konkurrenz. Mit gespitzten Ohren und wehenden Mähnen galoppierten die Pferde flott über die Naturhindernisse, die mit Sträuchern und Hecken einen Geländeritt darstellten, der zwar drinnen, aber dann optisch doch irgendwie auch draußen über die Bühne ging.
So mancher Starreiter in dieser reitsportlichen Disziplin, die als die „Krone der Reiterei“ gilt, zeigte dem Nürnberger Publikum, wie schnell und souverän sein vierbeiniger Sportpartner die Hindernisse bewältigen kann. Dabei scheint dem Baden-Württemberger Felix Etzel die Prüfung im Rahmen der Consumenta besonders zu liegen. So konnte der Vorjahressieger mit seinem Pferd Inception seinen Titel verteidigen und den Wettbewerb wieder für sich entscheiden.

„Dieser Hallen-Geländeritt ist toll aufgebaut und ich genieße es, so nah an den Zuschauern dran zu sein“, freute sich der junge Mann nach seinem Sieg.
Den zweiten Platz holte sich mit Charlotte Whittaker eine der besten bayerischen Nachwuchsreiterinnen. Die junge Frau von den Pferdefreunden Englhör war mit ihrer bewährten Belmont Virlandie an den Start gegangen und fegte problemlos in makellosem Stil durch die Strecke – die Zuschauer waren begeistert.

Auch die weiteren Starter wie die europaweit erfolgreichen Buschreiter Robert Sirch (Fischen), Bodo Battenberg (Markt Rettenbach) und Niklas Bschorer (Frankenhöhe) sorgten für internationales Flair.

Bunte Schauprogramme sorgten zudem sechs Tage lang für volle Ränge. Kaum eine Pferderasse, die in Nürnberg gefehlt hätte, traditionelle Vorführungen vom Holzrücken bis zum Sulkyfahren wechselten sich ebenso ab wie diverse circensische Darbietungen – da blieben für die Fans der edlen Pferde keine Wünsche offen.

 

Julia Schroeder

 

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